Kassensturz

Zinsen, Tilgung, Investitionen und Pro-Kopf-Verschuldung im Blick behalten

Bei jeder Haushaltsberatung stellen sich die Kommunalpolitiker die Frage, „Können wir uns das überhaupt leisten?“ oder „Wie hoch ist am Ende des Jahres die Pro-Kopf-Verschuldung unserer Bürger?“ In Zeiten sehr geringer Zinsen würde so mancher Politiker am liebsten nur an eins denken, investieren, investieren, investieren! Auch die Wadersloher Verwaltung denkt so und schlägt den Ratsmitgliedern für die kommenden vier Jahre Investitionen in Höhe von 33 Mio. Euro vor. Wem wird bei dieser Zahl nicht schwindlig? In der von der Gemeindeverwaltung herausgegebenen „Wadersloher Rathauspost“ wird jedoch mit dem scheinbar alles entscheidenden geringen Zinsaufwand argumentiert.
„Noch nie hat die Gemeinde so wenig Darlehenszinsen aufwenden müssen wie aktuell!“

Schuldenstand 1980 5 Mio. Euro Zinsaufwand (umgerechnet) 336,88 T€
Schuldenstand 2000 2,2 Mio. Euro Zinsaufwand 111,50 T€
Schuldenstand 2010 4,1 Mio. Euro Zinsaufwand 159,13 T€
Schuldenstand 2020 17,4 Mio. Euro Zinsaufwand 118,62 TE
Schuldenstand 2022 22,15 Mio. Euro Zinsaufwand 110,20 T€
Schuldenstand 2025 30,84 Mio. Euro Zinsaufwand (noch nicht bekannt)

Leider gehört zu den Belastungen der kommenden Generationen nicht nur der überschaubare Zinsaufwand, da die Höhe meist bis zur Endfälligkeit des Darlehens festgelegt wurde, sondern vielmehr die jährliche Tilgungsrate der Kredite für die Investitionen.
Diese Tilgung betrug 2014 nur 136 000 Euro,
Für 2022 sind 894 000 Euro vorgesehen und in den folgenden Jahren beläuft sich die Tilgungsrate stets auf über eine Million Euro.

Berücksichtigen muss man bei diesen Zahlen aber auch, dass einige Investitionen aus der Vergangenheit jährlich Gewinn abwerfen. Man denke nur an den Erwerb der Strom- und Gasnetze, den Bau der Windenergieanlage am Klärwerk und die Beteiligung an zwei Windrädern in Diestedde. Auch der Verkauf von vor Jahren gekauften Grundstücken verbessert die Summe der jährlichen Erträge für den Gemeindehaushalt.

Der Haushaltsplan 2022 sieht Investitionen in Höhe von 13 Mio. Euro vor. 4,65 Mio. fließen wieder in den Erwerb von Grundstücken. Baumaßnahmen und Erwerb von Anlagevermögen sind mit7,3 Mio. veranschlagt. Hier sind vor allem der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Wadersloh und die Erweiterung in Liesborn, die Fertigstellung des Lehrschwimmbeckens, die Weiterentwicklung unserer Schulstandorte in Liesborn und am Johanneum sowie der Ausbau von Wohnbau- und Gewerbegebieten zu nennen.

Die Pro-Kopf-Verschuldung wird wohl Ende des Jahres bei 1.764 Euro liegen, nicht schön, aber vertretbar, wenn man bedenkt, dass sehr viel Geld in die Weiterentwicklung unserer Schulstandorte und in die Gefahrenabwehr fließt. Auch der Klimaschutz wird bei Solardächern, neuen Heizungsanlagen sowie bei der Erneuerung der gemeindlichen Kraftfahrzeuge immer mehr berücksichtigt.